Der Golfschwung: Viele Golfer sprechen über ihren Schwung in groben Abschnitten wie Rückschwung, Abschwung oder Treffmoment. Doch wer wirklich verstehen will, wie der Golfschwung funktioniert, braucht ein genaueres System.
Key Takeaways:
✔ Der Golfschwung lässt sich in zehn präzise Positionen unterteilen
✔ Jede Position hat Einfluss auf Ballflug, Konstanz und Treffmoment
✔ Eine stabile Ansprechposition (P1) ist die Grundlage für jeden gelungenen Schwung
✔ Der Golfschwung beginnt lange bevor du den Schläger bewegst – nämlich im Setup
✔ Durch die P-Klassifikation erkennst du genau, wo du ansetzen musst, um besser zu spielen
Die sogenannte P-Klassifikation unterteilt den Golfschwung in zehn klar definierte Positionen (P1 bis P10). Diese Struktur hilft dir dabei, gezielt an einzelnen Abschnitten deines Schwungs zu arbeiten – statt ins Blaue hinein zu trainieren.
P1 – Die Ansprechposition: Wo der Golfschwung beginnt
P1 beschreibt die Ausgangslage – also deine Position vor dem eigentlichen Schwung. Viele Fehler im Golfschwung entstehen bereits hier. Denn wenn dein Setup nicht stimmt, wird es im weiteren Verlauf extrem schwer, eine konstante Bewegung auszuführen.
Ein gutes Setup ist die Grundlage für einen sauberen und wiederholbaren Golfschwung. Dabei spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle:
Worauf du in der Ansprechposition achten musst:
- Griff: neutral und stabil
- Ausrichtung: parallel zur Ziellinie
- Haltung: aufrechte Wirbelsäule, entspannte Arme
- Gewichtsverteilung: stabil und ausbalanciert auf beiden Füßen
- Ballposition: abhängig vom Schläger
Unterschiede je nach Schlägerwahl:
Mit dem Driver:
- Der Ball liegt auf Höhe der vorderen Ferse
- Der Stand ist etwas breiter als schulterbreit
- Das Gewicht ruht etwas mehr auf dem hinteren Fuß
- Die Wirbelsäule ist leicht vom Ziel weg geneigt
Mit Eisen:
- Der Ball befindet sich in der Mitte des Standes
- Die Füße stehen schulterbreit
- Das Gewicht ist gleichmäßig verteilt
- Der Schlägerschaft zeigt leicht nach vorn – sogenannte Schaftvorlage
Mit Wedges:
- Der Ball wird etwas weiter hinten positioniert
- Der Stand ist enger
- Mehr Gewicht auf dem vorderen Fuß
- Etwas aufrechtere Haltung mit steilerem Schlägerwinkel
Warum P1 so wichtig ist für deinen Golfschwung
Wenn du die P1-Position vernachlässigst, musst du im weiteren Verlauf des Golfschwungs kompensieren – und das geht fast nie gut. Ein stabiler, ausbalancierter Setup hilft dir nicht nur beim gerade Schlagen, sondern sorgt auch dafür, dass du mit mehr Selbstvertrauen am Ball stehst.
Der Golfschwung beginnt nicht erst mit der Bewegung – er beginnt mit der Haltung.
P2 – Das Takeaway: Der erste echte Bewegungsimpuls im Golfschwung
Nachdem du dich in der P1-Position sauber ausgerichtet und stabil aufgebaut hast, beginnt mit dem Takeaway (P2) der eigentliche Bewegungsablauf deines Golfschwungs. Und genau hier trennt sich oft schon die Spreu vom Weizen – denn was viele unterschätzen: Bereits im ersten Teil des Rückschwungs wird die Basis für den gesamten weiteren Bewegungsablauf gelegt.
Ein fehlerhaftes Takeaway ist einer der häufigsten Gründe für schlechte Ballkontakte, ungewollte Kurven und einen inkonsistenten Schwungverlauf.
4 wichtige Checkpunkte für ein sauberes Takeaway
Wenn du dich an diese vier Punkte hältst, ist dein Schläger von Beginn an auf dem richtigen Weg – und der Golfschwungwird deutlich leichter zu kontrollieren.
1. Die Bewegung beginnt im Körper, nicht in den Händen
Der Schläger sollte durch die Rotation von Brustkorb und Schultern in Bewegung gesetzt werden – nicht durch aktive Arm- oder Handbewegung. Ziel ist es, das sogenannte Armdreieck (Verbindung zwischen beiden Armen und Schultern) stabil zu halten. Die Hände bleiben passiv (siehe Fotoreihe weiter oben).
2. Schläger auf der Zehenlinie
Sobald der Schläger etwa parallel zum Boden steht (klassisch als P2 bezeichnet), sollte seine Verlängerung entlang deiner Zehenlinie verlaufen. Das zeigt dir, dass der Schläger auf der richtigen Schwungbahn ist (siehe Fotoreihe weiter oben).
3. Höhe des Schlägers = Höhe der Hände
Der Schlägerkopf sollte sich in diesem Moment auf etwa gleicher Höhe wie deine Hände befinden. Weder zu tief noch zu hoch – das sorgt für eine neutrale, wiederholbare Bewegung (siehe Fotoreihe weiter oben).
4. Schlagfläche leicht geneigt
Das Schlägerblatt sollte leicht nach unten zeigen – etwa parallel zu deiner Wirbelsäule. Diese Position verhindert, dass sich die Schlagfläche zu stark öffnet und reduziert das Risiko eines Slices (siehe Fotoreihe weiter oben).
Häufige Fehler im Takeaway – und wie du sie vermeidest
Auch beim Takeaway gibt es typische Bewegungsmuster, die du unbedingt vermeiden solltest, wenn du einen wiederholbaren und stabilen Golfschwung aufbauen willst:
- Aktive Hände im Start: Wenn du den Schläger aus den Handgelenken oder Armen zurücknimmst, verlierst du die Verbindung im Armdreieck – das führt zu inkonsistenter Schwungbahn und Timing-Problemen.
- Zu offenes Schlägerblatt: Zeigt die Schlagfläche beim Takeaway nach oben, ist sie meist zu offen. Das macht den Golfschwung fehleranfälliger und erzeugt häufig einen Slice.
- Zu weit nach innen: Holst du den Schläger zu sehr „hinter den Körper“, rotierst du oft die Schlagfläche zu stark. Diese Bewegung ist schwer kontrollierbar und schwer wiederholbar.
- Zu weit nach außen: Führen deine Hände den Schläger zu weit nach außen Richtung Ball, verlässt du die natürliche Schwungbahn – was später zu Problemen im Abschwung führt.
Warum P2 der Schlüssel für deinen gesamten Golfschwung ist
Ein korrektes Takeaway bringt den Schläger auf die richtige Bahn, hält die Schlagfläche kontrollierbar und erleichtert die nachfolgenden Positionen – insbesondere P3 (Halfway Back) und P4 (Top of Backswing).
Wenn du es schaffst, bereits in P2 präzise zu arbeiten, wird der gesamte Bewegungsablauf flüssiger, stabiler und kontrollierter. Und genau das ist das Ziel, wenn du den Golfschwung verbessern und konstant gute Bälle schlagen möchtest.
P3 – Halfway Back: Der Moment, in dem der Golfschwung Form annimmt
Nachdem du den Schläger mit einem sauberen Takeaway in Bewegung gebracht hast, erreichst du in Position P3 den Punkt, an dem dein linker Arm parallel zum Boden steht. Hier beginnt sich zu zeigen, ob der Golfschwung technisch auf dem richtigen Weg ist – oder ob sich bereits erste Abweichungen eingeschlichen haben, die sich später negativ auf den Ballkontakt auswirken können.
Viele Amateurgolfer unterschätzen die Bedeutung dieser Zwischenstation. Dabei ist P3 eine der wichtigsten Kontrollpositionen auf dem Weg zu einem wiederholbaren, effizienten Schwung.
4 Checkpunkte für eine stabile P3-Position
Wenn du diese vier Punkte beachtest, bleibt der Schläger auf der richtigen Schwungbahn – und du bereitest deinen Körper optimal auf den Übergang zum Abschwung vor.
1. Linker Arm parallel zum Boden
In Position 3 steht dein linker Arm (bei Rechtshändern) horizontal zum Boden. Diese Position gibt dir eine klare visuelle und körperliche Orientierung, ob du im Rhythmus bist und die Struktur im Schwung beibehältst.
2. Schlägerschaft entlang der Schwungebene
Der Schlägerschaft sollte sich parallel zur gedachten Schwungbahn befinden. Wenn du hier zu sehr abweichst – entweder zu steil oder zu flach – wird es im weiteren Verlauf schwer, den Schläger sauber zurück zum Ball zu bringen.
3. Gewicht beginnt sich zurück zur Mitte zu verlagern
In dieser Phase des Rückschwungs verlagert sich dein Gewicht langsam wieder in Richtung Ausgangsposition – weg von der maximalen Rückbewegung. So schaffst du die ideale Grundlage für einen kraftvollen und fließenden Übergang in den Abschwung.
4. Linke Schulter um ca. 90 Grad gedreht
Ein optimaler Rückschwung bedeutet, dass deine linke Schulter sich fast vollständig unter dein Kinn dreht – etwa um 90 Grad. Diese Rotation sorgt für Spannung, Stabilität und eine gleichmäßige Energieübertragung im weiteren Verlauf des Schwungs.
Häufige Fehler in P3 – und wie du sie erkennst
In dieser Phase des Rückschwungs schleichen sich bei vielen Spielern unbemerkt Fehler ein, die erst im Treffmoment sichtbar (und spürbar) werden. Wenn du also Golf sauber und wiederholbar spielen möchtest, solltest du diese typischen Probleme vermeiden:
- Zu aktive Hände und Arme: Wird der Schläger nur mit den Armen oder übermäßiger Handgelenksbewegung zurückgeschwungen, verlässt der Schlägerschaft schnell die ideale Schwungebene. Die Folge: Inkonstante Ballkontakte und fehlende Kontrolle.
- Zu flacher Rückschwung: Ist der Schlägerschaft in P3 zu weit hinter dem Körper, ist das ein Hinweis auf eine zu starke Schlagflächenrotation. Diese Bewegung wirkt zwar dynamisch, ist aber schwer wiederholbar – und fehleranfällig.
- Zu steiler Rückschwung: Befindet sich der Schlägerschaft in P3 zu weit vor dem Körper („gekreuzt“), kann das ebenfalls auf eine übermäßige Rotation in der Schlagfläche hinweisen. Auch diese Position erfordert spätere Korrekturen im Abschwung – was deinen Golfschwung instabil macht.
Warum P3 ein kritischer Kontrollpunkt im Golfschwung ist
In der P3-Position wird aus einer sauberen Vorbereitung ein aktiver Schwung. Hier entscheidest du, ob der Golfschwung effizient weiterläuft oder ob du im weiteren Verlauf kompensieren musst. Wer P3 sauber trifft, hat die besten Voraussetzungen für einen kraftvollen, kontrollierten Abschwung und einen präzisen Treffmoment.
Halte diese Position regelmäßig im Training an – am besten in Zeitlupe oder mit Videoanalyse – und überprüfe, ob du die Checkpunkte erfüllst. So baust du dir Schritt für Schritt einen stabilen, reproduzierbaren Golfschwung auf.
P4 – Top of Backswing: Stabilität für einen kontrollierten Übergang
Mit Position P4 erreichst du den höchsten Punkt deines Rückschwungs. In dieser Phase wird der Körper auf den kommenden Abschwung vorbereitet. Es geht nicht darum, maximale Drehung oder „Power“ zu erzeugen – sondern darum, eine kontrollierte, balancierte Position zu erreichen, aus der der Schläger effizient zurück zum Ball geführt werden kann.
Nicht jeder Golfer sieht in P4 exakt gleich aus – auch unter Profis gibt es leichte Variationen. Wichtig ist, dass du aus deiner individuellen Position verlässlich in einen flüssigen Abschwung übergehen kannst.
4 Checkpunkte für eine solide P4-Position
Diese Merkmale helfen dir, in P4 sauber aufgestellt zu sein – ohne später Ausgleichsbewegungen machen zu müssen.
1. Gewichtsverteilung – stabil mit leichter Tendenz zum Ziel
Das Gewicht sollte gleichmäßig auf beide Füße verteilt sein, mit einer leichten Neigung in Richtung vorderer (zielseitiger) Fuß. So bleibst du im Gleichgewicht und erleichterst dir die Bewegung nach vorn.
2. Hände und Schläger in einer Linie
Ideal ist es, wenn Hände und Schlägerschaft auf einer Zuglinie zum Ball liegen. Aus der Down-the-Line-Perspektive sieht man in dieser Phase nur die Hände – sie verdecken den Schaft. Das zeigt, dass der Schläger sich auf der richtigen Bahn befindet.
3. Handgelenksstellung – neutral vorbereitet
Das linke Handgelenk ist entweder neutral oder leicht palmar gebeugt, das rechte leicht dorsal (nach oben geknickt) – eine Bewegung, die oft als „Kellnerhaltung“ beschrieben wird. Diese Position hilft, die Schlagfläche unter Kontrolle zu halten.
4. Schulterrotation – tief und vollständig
Eine Rotation von mindestens 90 Grad ist wünschenswert – bei vielen fortgeschrittenen Spielern sogar mehr. Das sorgt für Spannung im Oberkörper und eine gute Verbindung zwischen Armen und Rumpf.
Typische Fehler in P4 und deren Auswirkungen: So wird der Golfschwung komplex
Kreuzen des Schlägers
Der Schlägerschaft verläuft zu weit hinter dem Kopf, was zu einer gekreuzten Position führt. Das kann zwar funktionieren, erfordert aber präzise Ausgleichsbewegungen – und ist für viele Spieler schwer reproduzierbar.
Unvollständige Schulterdrehung
Wer den Rückschwung zu sehr mit den Armen ausführt, erreicht oft keine ausreichende Rotation im Oberkörper. Das führt zu Timing-Problemen und reduziert die Konstanz im Abschwung.
Falsche Gewichtsverlagerung
Ein zu hoher Gewichtsanteil auf dem hinteren Fuß stört den Bewegungsfluss. Häufige Folgen: mangelnde Hüftrotation, Kontaktprobleme, Chicken-Wing oder eine Außenbahn im Abschwung.
Übungstipps für deine P4-Position
- Netzübungen: Fokus liegt voll auf der Technik, ohne Ablenkung durch Ballflug.
- Spiegelarbeit: Visuelle Kontrolle hilft dir, Haltung und Winkel einzuprägen.
- Schrittweises Training: Beginne mit Standbildern, dann mit halben Schwüngen – steigere dich systematisch.
Fazit zu P4
In Position 4 geht es darum, dich effizient auf den Abschwung vorzubereiten – nicht um eine perfekte Position. Wenn du Balance, Ausrichtung und Körperspannung im Griff hast, erleichtert dir das den gesamten weiteren Verlauf des Schwungs.