Vielleicht hast du schon einmal einen Tourspieler gesehen, der auf dem Grün steht, mit den Füßen die Neigung fühlt und anschließend 1 oder mehrere Finger vor sein Gesicht hält.
Dahinter steckt häufig AimPoint.
AimPoint ist eine Methode, die dir dabei hilft, den Break eines Putts einzuschätzen und einen Startpunkt für deinen Putt zu finden.
Der Name lässt sich als kleine Eselsbrücke verstehen: „Aim“ bedeutet zielen und „Point“ bedeutet Punkt.
Du suchst also vereinfacht gesagt nach einem Punkt, auf den du deinen Putt starten möchtest.

Warum braucht man AimPoint?
Bei einem geraden Putt kannst du direkt auf das Loch zielen. Sobald das Grün jedoch geneigt ist, wird der Ball während des Rollens nach links oder rechts abgelenkt.
Die schwierige Frage lautet deshalb:
Wie stark ist die Neigung und wie weit muss ich links oder rechts vom Loch starten?
Genau dabei soll AimPoint helfen.
Schritt 1: Die Neigung mit den Füßen fühlen
Bei AimPoint verlässt du dich nicht nur auf deine Augen. Du nutzt auch deine Füße und deinen Gleichgewichtssinn.
Dafür stellst du dich an verschiedene Punkte entlang deiner Puttlinie und versuchst zu fühlen:
Welche Seite ist höher und wie stark ist die Neigung?
Die Neigung wird dabei beispielsweise mit 1 %, 2 %, 3 % oder 4 % eingeschätzt.
1 % bedeutet eine relativ leichte Neigung.
3 % oder 4 % bedeutet bereits eine deutlich stärkere Neigung.
Das Gefühl dafür muss trainiert werden. Du kannst dich zum Beispiel auf verschiedene Neigungen stellen, deine Einschätzung abgeben und anschließend mit einer kleinen Wasserwaage überprüfen, ob du richtig gelegen hast.
Schritt 2: Die Finger helfen dir beim Zielen
Nachdem du die Neigung eingeschätzt hast, stellst du dich hinter deinen Ball und schaust in Richtung Loch.
Jetzt kommen die Finger ins Spiel.
Je nachdem, wie stark du die Neigung eingeschätzt hast, nutzt du deine Finger als visuelle Hilfe, um einen Zielpunkt links oder rechts vom Loch zu bestimmen.
Bei einer stärkeren Neigung liegt dieser Punkt entsprechend weiter vom Loch entfernt.
Genau diesen Vorgang erklärt Adam Scott sehr schön im folgenden Video:
Adam Scott zeigt hier sehr gut, dass AimPoint vor allem Training benötigt. Er hat sein Gefühl für 1 %, 2 % und 3 % Neigung mit einer digitalen Wasserwaage kalibriert und diese unterschiedlichen Neigungen immer wieder mit seinen Füßen gefühlt. Je besser du diese Unterschiede erkennst, desto genauer kannst du anschließend deinen AimPoint bestimmen.
Schritt 3: Auf den AimPoint ausrichten
Jetzt hast du einen konkreten Punkt, auf den du deinen Ball starten möchtest.
Du richtest deinen Putt auf diesen Punkt aus und spielst ihn mit der passenden Geschwindigkeit.
Wichtig ist dabei: AimPoint nimmt dir nicht das Putten ab.
Die Methode hilft dir beim Lesen des Grüns und bei der Wahl deiner Startlinie. Geschwindigkeit und Ausführung musst du weiterhin selbst kontrollieren.
Warum nutzen so viele Golfer AimPoint?
Der große Vorteil ist, dass du beim Grünlesen ein wiederholbares System bekommst.
Statt nur zu denken:
„Ich glaube, der Putt bricht ein bisschen nach rechts.“
versuchst du zuerst die Neigung einzuschätzen und leitest daraus einen konkreten Zielpunkt ab.
AimPoint wird auch von verschiedenen Tourspielern eingesetzt, darunter Adam Scott, Collin Morikawa, Justin Rose und Lydia Ko.
Muss ich AimPoint perfekt beherrschen?
Nein.
Du kannst bereits damit anfangen, deine Füße bewusster beim Grünlesen einzusetzen. Stell dich auf die Puttlinie und frage dich:
Welche Seite ist höher?
Danach kannst du versuchen einzuschätzen, wie stark die Neigung ist.
Je häufiger du das machst und anschließend überprüfst, desto besser kann dein Gefühl für unterschiedliche Neigungen werden.
Das Wichtigste zusammengefasst
AimPoint hilft dir dabei, den Break eines Putts systematischer einzuschätzen.
Du fühlst zunächst mit deinen Füßen, in welche Richtung und wie stark das Grün geneigt ist. Anschließend nutzt du deine Finger, um einen Zielpunkt zu bestimmen, auf den du deinen Putt starten kannst.
Das Ziel ist nicht, jeden Putt mathematisch perfekt zu berechnen.
Das Ziel ist, beim Grünlesen einen klaren Prozess zu haben und deiner gewählten Linie anschließend zu vertrauen.
Hinweis: AimPoint ist ein eigenständiges Green-Reading-System. Dieser Artikel erklärt lediglich die grundlegende Idee und ersetzt kein offizielles AimPoint-Training.